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Am morgigen 09. November 2017 jährt sich zum 79. Mal der Gedenktag an die Reichspogromnacht, eines barbarischen Ereignisses, bei dem […]

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9. NOVEMBER – IN MEHRFACHER HINSICHT TAG DER ERINNERUNG

Am morgigen 09. November 2017 jährt sich zum 79. Mal der Gedenktag an die Reichspogromnacht, eines barbarischen Ereignisses, bei dem gelenkt und organisiert durch das nationalsozialistische Regime hunderte Menschen zu Tode kamen – entweder direkt ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Einrichtungen des jüdischen Lebens sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe in Deutschland fielen diesem Wahnsinn zum Opfer und wurden zerstört. In unmittelbarer Folge begannen die Deportationen von Juden in die Konzentrationslager.

Dazu Frauke Petry, MdB und Mitglied der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag:

„Dieses Datum ist auf Dauer mit einem Akt der terroristischen Barbarei verbunden, der einen auch heute noch, 79 Jahre danach, aufgrund seiner unbeschreiblichen Monstrosität fassungslos zurückblicken lässt.

Gerade deshalb ist ungeheuer wichtig, diesen Tag und die Ereignisse rund um ihn und in der Folge in der Erinnerung stetig wach zu halten. Zu leicht vergisst man, wozu Menschen ohne jegliche Hemmungen anderen Menschen gegenüber fähig sind. Und zu leicht wird auch vergessen, wie schnell man sich durch Wegschauen oder Ignorieren eine Mitschuld aufbürden kann.

Deshalb ist die mahnende Erinnerung ebenso wichtig, wie der aufmerksame Blick nach vorn. Wenn wir sehen, dass Synagogen, Gedenkstätten und andere Einrichtungen des jüdischen Lebens im Deutschland dieser Tage wieder des ununterbrochenen polizeilichen Schutzes bedürfen, Mitmenschen im Alltag nicht mehr sicher sind, weil sie vor dem Hintergrund ihres Glaubens tätlich angegriffen oder auch ‚nur‘ bepöbelt werden. Kinder gezwungen sind, Schulen zu wechseln, weil Gleichaltrige ‚Jude‘ als Schimpfwort einsetzen, unter sogenannten ‚Fußballfans‘ Anne Frank verhöhnt wird, dann ist unsere Aufmerksamkeit und Sensibilität für die Ursachen dieser mehr als beunruhigenden Entwicklung offensichtlich trotz aller Gedenkfeiern nicht groß genug.

Der 9. November 2017 sollte uns deshalb neben der Erinnerung vor allem eines sein: Anlass, diesen erschreckenden und abstoßenden Tendenzen mitten unter uns gemeinsam wirkungsvolle Schritte entgegenzusetzen. Bevor es wieder einmal zu spät ist.

Trotzdem darf nicht vergessen werden, der 9. November ist in mehrfacher Hinsicht für die jüngere Geschichte dieses Landes wichtig. Er ist außerdem der Tag des innerdeutschen Mauerfalls – für Deutschland in seiner heutigen Form, für die Demokratie, die Freiheit der Menschen im Osten von epochaler Dimension. Beide historischen Daten haben ihren Platz in der Erinnerungskultur und sind in ihrer unterschiedlichen Bedeutung zu würdigen und im Bewusstsein zu bewahren, ohne sich jeweils zu überlagern.“