Rekonstruktionsstopp von Stasi-Unterlagen nicht hinnehmbar

Berlin, 02.01.2018. Die massenhafte Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen per Computer ist gestoppt. Das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik habe eine leistungsfähige Software entwickelt, doch es gebe keine entsprechenden Scanner, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, der Deutschen Presse-Agentur.

Dazu Frauke Petry, MdB und Mitglied der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag:

„Sieben Millionen Euro sind bereits mit der Entwicklung der Software in das vor zehn Jahren gestartete Projekt geflossen, so berichtet es unter anderem die Magdeburger Volksstimme. Nun scheitert der Versuch, Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen, an geeigneten Scannern. Es scheint inzwischen Usus im ehemaligen Hochtechnologieland Deutschland zu sein, dass anspruchsvolle Projekte an simplen technischen Hürden zerschellen. Doch daran sollten wir uns nicht gewöhnen. Erstens, weil auch hier schon wieder Steuergeld in erklecklicher Höhe ausgegeben worden ist. Zweitens und vor allem, weil wir es den Stasi-Opfern und uns selbst einfach schuldig sind, diesen wirklich finsteren Teil der ostdeutschen Geschichte möglichst vollständig ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Oder, um es mit den Worten des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, zu sagen: ‚Die Stasi darf nicht im Nachhinein bestimmen, was wir lesen können und was nicht.‘

Es wäre vor diesem Hintergrund schön, in Deutschland endlich einmal die richtigen Prioritäten zu setzen. Dazu passt, dass auch das Zusammenfügen von Stasi-Papieren per Hand im bayerischen Zirndorf Ende 2015 beendet wurde. Begründung dafür laut Volksstimme: ‚Abgeordnete Mitarbeiter wurden wieder im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gebraucht‘.

Es ist zwar beruhigend, dass die 15.500 bisher nicht erschlossenen Säcke mit Papierschnitzeln ‚angemessen‘ gelagert seien, ein ‚Verfall daher nicht drohe‘, so ebenfalls Jahn. Statt sich jedoch auf deren trockene Aufbewahrung bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu verlassen, wäre es doch angemessen, reichlich 27 Jahre nach der Wende auf die Zielgerade der Aktenaufarbeitung einzubiegen. Wenn jetzt Mitarbeiter der Unterlagenbehörde wegen ein paar fehlender Scanner wieder von Hand anfangen, Schnipsel zusammenzubasteln, ist das nicht nur an Lächerlichkeit nicht zu überbieten, wahrscheinlich werden wir mit dieser Arbeit auch in hundert Jahren nicht fertig sein. Das ist nicht hinnehmbar.“