Wolfsmanagement in Sachsen

Neuer Wolfsmanagementplan für Sachsen!

Die Ausbreitung und Vermehrung des Wolfes in Sachsen und Deutschland verläuft sehr erfolgreich. Seit Beginn der Ansiedlung des ersten deutschen Wolfsrudels in Sachsen im Jahr 2000 nach seiner faktischen Ausrottung, wächst der Wolfsbestand mit durchschnittlichen Zuwachsraten von 30% – trotz toter Wölfe aufgrund von Unfällen und Wilderern.

Im Jahr 2017 lebten allein in Sachsen 16 Wolfrudel mit 48 Welpen. Hinzukommen zahlreiche Hinweise auf weitere Wolfspaare sowie wandernde, nicht sesshafte Wölfe. Anerkanntes Ziel ist es in Deutschland einen günstigen Erhaltungszustand für die hiesige Wolfspopulation zu erreichen. In Anbetracht, dass hierfür 1000 erwachsene Tiere oder 166 Wolfsrudel notwendig sind, trägt Sachsen bereits zum jetzigen Zeitpunkt 10% dazu bei.

Gleichzeitig kommt es immer häufiger zu Vorfällen die zeigen, dass das aktuelle Wolfsmanagement in Sachsen an seine Grenzen stößt. So wird immer wieder von Angriffen auf Jagd- und Haushunde berichtet, von Wölfen, die ohne Angst in Siedlungen herumstreifen, teilweise auch tagsüber und auch von Wölfen, die Menschen verfolgen. Für den Menschen selbst verliefen diese Vorfälle bislang ohne Schäden, doch zeigt dies, dass die Scheu vor dem Menschen immer weiter nachlässt. Diese Scheu ist dem Wolf nur bedingt naturgegeben. Die Tiere lernen in Deutschland, dass der Mensch keine Gefahr für sie darstellt.

Darüber hinaus steigt die Anzahl von Übergriffen auf Weidetiere von Jahr zu Jahr stark an, damit verbunden auch der Aufwand und die Kosten für Prävention und Schadensausgleich. Das Rosenthaler Rudel bildet hierbei einen negativen Höhepunkt, da die Tiere gelernt haben, dass Elektrozäune überwunden werden können. Der Herdenschutz artet in der Region in ein Wolfshürdenspringen aus.

Daher fordert der Antrag:

1. Die Anerkennung, dass für die Auslegung des Wolfsmanagements in Sachsen nicht der Erhaltungszustand der mitteleuropäischen Flachlandpopulation oder der Teilpopulation in Deutschland ausschlaggebend ist, sondern die konkrete Situation in Sachsen.

2. Es sind bundeseinheitliche Standards für das Wolfsmonitoring notwendig. Die Auslegung des Wolfsmanagement muss dagegen weiterhin sächsische Aufgabe bleiben und darf nicht vom Bund vorgeschrieben werden.

3. Es ist ein Konzept mit Vorgaben darüber zu erstellen, in welchen Regionen die Ausbreitung des Wolfes unproblematisch ist, in welchen Regionen Eingriffe aufgrund von Konflikten notwendig sind und in welchen Regionen Wolfsvorkommen auszuschließen sind, zur Sicherung der öffentlichen Sicherheit, zur Vermeidung von Gewöhnungseffekten sowie zur Verhinderung der unnötigen Verschlechterung des Genpools durch Hybridisierung.

4. Zur Umsetzung dieses Konzeptes ist der Wolfsmanagementplan Sachsens grundlegend zu überarbeiten.

5. Gleichzeitig sind die Aufgaben des Wolfsmanagements zu bündeln. Der Sächsische Landesrechnungshof kritisierte zu Recht, dass sich bei 11 beteiligten Stellen zu viele Institutionen die Aufgaben teilen. Der Vorschlag des Rechnungshofes diese Aufgaben im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zu bündeln, ist umzusetzen.

Das vorgeschlagene Management ist auch ohne eine Änderung des Schutzstatus des Wolfes in Deutschland möglich, insbesondere dann, wenn die Maßnahmen dem Schutz des Wolfes dienen, im öffentlichen Interesse stehen und die Akzeptanz bei der betroffenen Bevölkerung erhöhen.

Unter welchen Umständen Ausnahmeregelungen zur Regulierung der Wolfspopulationen angewendet werden dürfen, beschreiben unter anderem die „Leitlinien für Managementpläne für Großraubtiere auf Populationsebene“, die im Auftrag der EU-Kommission von der Large Carnivore Initiative for Europe 2007 ausgearbeitet wurden. In den Leitlinien wird der Sachverhalt wie folgt zusammengefasst:

„Dieses Konfliktpotenzial bedingt jedoch, dass unter gewissen Umständen die gezielte Entfernung einzelner Individuen oder Managementmaßnahmen zur Begrenzung ihrer Zahl und/oder Verbreitung auf ein bestimmtes Niveau als mit ihrer Erhaltung vereinbar und sogar als für die Akzeptanzerhöhung in der Öffentlichkeit wünschenswert betrachtet wird.“

Auf dieser Basis werden die Wölfe in Frankreich trotz des gleichen Schutzstatus der Population wie in Deutschland bejagt. Zum Erhalt der Wolfspopulation in Sachsen und zur Förderung der weiteren Ausbreitung des Wolfes, lehnen wir die Anwendung der französischen Kriterien auf Deutschland und Sachsen zwar ab, gut strukturierte und sinnvolle Eingriffe in die Wolfspopulation müssen jedoch möglich gemacht werden.

Das Video zur themenbezogenen Pressekonferenz der fraktionslosen Abgeordneten im Sächsischen Landtag finden Sie hier: Pressekonferenz zum Thema „Wolf“

Den Antrag an den Sächsischen Landtag zum Nachlesen hier: Antrag zum neuen Wolfsmanagement

Damit der Antrag und die enthaltenen Vorschläge parlamentarisch behandelt werden können, wurden alle Abgeordneten des Sächsischen Landtages parteiübergreifend um Unterstützung bei der Einbringung des Antrags gebeten.