Ein Jahr „Homo-Ehe“

Frauke Petry

Berlin, 01.10.2018. Seit dem 01. Oktober 2017 können sich gleichgeschlechtliche Partner das Ja-Wort geben. Dazu kommentiert

Frauke Petry, MdL und MdB der Blauen Partei, Mutter von fünf Kindern, verheiratet mit einem Mann:

„Die angeblich ewig gestrige Ehe, die von links als mitleiderregendes Überbleibsel aus einer fernen, bornierten Welt geschmäht wurde, erlebt durch die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare plötzlich eine Renaissance. Weil man nun Geschlechter austauschen kann, steigt der Bund zwischen zwei Menschen auf einmal zum Nonplusultra hipper Lebensführung empor. Das Band zwischen Mann und Frau war altmodisch, ja, beinahe tot. Aber unter dem Banner der ‚Homo-Ehe‘ werden die Ansichten, es mit einem patriarchalischen Überbleibsel zu tun zu haben, stillschweigend beerdigt. Das ist zum einen alles andere als glaubwürdig.

Andererseits macht es die Ehe zwischen Mann und Frau, die das Grundgesetz eigentlich zu schützen wissen müsste, zu etwas Banalem, Austauschbaren. Auf einmal ist aus dem Privileg des Ehestandes von Mann und Frau ein Vorrecht für jedermann geworden. Artikel 6 des Grundgesetzes, der den besonderen Schutz des Staates für Ehe und Familie vorsieht, ist damit bedeutungslos geworden.

Wer bei der ‚Ehe für alle‘ jubelt, wird sich höchstwahrscheinlich bald wundern, dass diese Forderung noch beliebig erweitert werden kann. Warum nicht noch eine Ehe für drei Menschen fordern? Oder für vier, sechs, achtr? Wer bislang mit Feuereifer für die Aufweichung der traditionellen Ehe gekämpft hat, wird das, wenn es demjenigen nötig erscheint, auch noch ein zweites oder drittes Mal tun.

Den bislang letzten Aufschrei der Konservativen zu diesem Thema brachte die Generalsekretärin der CDU. Annegret Kramp-Karrenbauer warnte vor einiger Zeit, das Verwässern des Ehebegriffs brächte Forderung nach Legalisierung von Inzest oder Polygamie mit sich. Das führte sogar zu einer Anzeige wegen Volksverhetzung. Seitdem ist es still geworden in den Reihen derer, die das Bündnis zwischen Mann und Frau verteidigen müssten. Dass es der CDU spielend leicht von den Lippen kam, die echte Ehe für obsolet zu erklären, macht deutlich, dass sich unter der Führung von Angela Merkel eine Mogelpackung etabliert hat. Eine Mogelpackung, die sich dem Zeitgeist unterwirft, Bewahrern des Traditionellen den Mittelfinger zeigt und Beliebigkeit zum politischen Leitgedanken macht.“