„Niemand soll vermuten, bei der Abtreibung bis zum 9. Monat sei das Ende der Debatte erreicht“

20181213_Paragraph218

Redebeitrag Frauke Petry (Blaue Partei), MdB
in der Aktuellen Stunde – Abschaffung des §218 STGB

Videohttps://www.youtube.com/watch?v=bP4BdX6lS5A

„Sehr geehrte Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich will meine Rede mit einer Danksagung beginnen. Der Dank geht an Sie, meine verehrten Kollegen von der SPD und ihrem Jugendverband. Jahrelang mussten sich christliche und konservative Politiker vorwerfen lassen, wir verbreiteten Schreckgespenster, wir führten Scheingefechte, das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche sei doch nicht so schlimm. Heute, nach dieser aktuellen Stunde, weiß die ganze Republik, was ihre eigentliche Agenda ist. Dafür nochmals: herzlichen Dank!

Niemand soll daher denken, nach der Abschaffung des Paragraphen 219a sei Schluss. Niemand soll vermuten, bei der Abtreibung bis zum 9. Monat sei das Ende der Debatte erreicht. Es stellt sich die zwingende Frage, warum ein Kind, das vielleicht mit acht Monaten auf die Welt kommt, mehr Recht auf Leben haben soll als eines, das mit acht Monaten noch im Mutterleib lebt. Die logische Folge: im Journal of Medical Ethics vertraten zwei australische Forscher den Standpunkt, dass die Tötung von Kindern auch nach der Geburt möglich sei, als sogenannte ‚post-natale Abtreibung‘. Denn eine ‚Person‘ ist ein Baby nach Auffassung der Lebensfeinde ebenso wenig im Mutterleib wie auch in den ersten Monaten nach der Geburt.

Wir hören heute viel von den Selbstbestimmungsrechten der Frau. Tatsache ist jedoch: In rund 50 % der Fälle stehen Frauen unter externem Druck. Ich rede von Arbeitgebern, von Vätern und von anderen, die Druck auf Frauen, auf Mütter, ausüben, die gerade deshalb zu keiner freien Entscheidung mehr kommen.

Meine Damen und Herren von SPD, Grünen, CDU und FDP, wenn es Ihnen tatsächlich um die Selbstbestimmtheit der Frau geht, dann erwarte ich Sie an dieser Stelle an der Seite der blauen Partei. Dann erwarte ich Sie an unserer Seite, wenn wir sagen: Dieser externe Druck muss wenigstens aufhören. Wir müssen diejenigen unter Strafandrohung stellen, die externen Druck auf Frauen in einer solchen emotionalen Ausnahmesituation ausüben. Wer als Vater, als Arbeitgeber oder als sonstiger Dritter Druck auf eine Frau ausübt, damit diese eine Abtreibung durchführt, muss bestraft werden. Wir könnten in diesem Land die Hälfte aller Abtreibungen vermutlich allein damit verhindern.

Schwangerschaft ist keine Krankheit, kein Schönheitsfehler und kein Mangel. Sie ist der Ausdruck natürlichster Weiblichkeit. Bismarck hat gesagt: einer Frau mit Kinderwagen hat selbst der stolzeste Soldat von Sedan aus dem Weg zu gehen. Das ist ein Gesellschaftsbild, von dem wir meilenweit entfernt sind. Helfen wir dabei, dass wir wieder den Wert neuen Lebens wertschätzen. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass Frauen wieder mehr Vertrauen haben, das Leben mit Kind zu meistern.

Beseitigen wir auch praktische Hemmnisse für Familien mit Kleinkindern in Zügen, Flughäfen, Taxis, wo sie sich oft wie Behinderte zweiter Klasse vorkommen.

Sorgen wir mit einem Familiensplitting und mit Abgabensenkungen dafür, dass die Abhängigkeit von staatlicher Umverteilung beendet wird.

Stellen wir heute die Weichen dafür, dass der Begriff ‚Menschenwürde‘ Kind wie Mutter wieder gerecht wird.“