Fukushima, Greta und die Grünen

Die blaue Partei

27.03.2011, die Grünen fahren einen historischen Sieg in Baden-Württemberg ein. 24,2 Prozent der Wähler im Ländle konnte die Partei im Angesicht der Reaktorkatastrophe Japans vom 11.03. überzeugen. Somit gelang dem Kabinett rund um Winfried Kretschmann das undenkbare: Die Grünen regieren mit eigenem Ministerpräsidenten.

Diesem Wahlsieg ging eine künstlich aufgeputschte Debatte über Reaktorsicherheit und Atomausstieg voraus, der sich später selbst Kanzlerin Angela Merkel nicht mehr entziehen konnte. Allen vernünftigen Argumenten zum Trotz beschloss die Bundesregierung den kopflosen Ausstieg aus der Kernkraft, obwohl dieser ohnehin bereits geplant war – nur eben in einem realistischen Zeitfenster.

26.05.2019 – Acht Jahre später wiederholt sich nun dieser Erdrutschsieg auf europäischer Ebene. Und wieder einmal lässt sich beobachten, dass die Umweltdebatte kurz zuvor heißgelaufen ist. „Fridays for Future“ und zuletzt das umstrittene Video des Youtubers Rezo, sorgen für grünen Aufwind. Und erneut scheint es weder Wähler noch Medien zu interessieren, dass die Diskussion recht einseitig und vor allem hochemotional geführt wird. Die Grünen verdanken ihren Sieg, ebenso wie den von 2011, einer Debatte, die auf Angst und Instrumentalisierung fußt. Fakten werden da gerne gedreht oder umgedeutet. Ein Beispiel hierfür ist die Zunahme an Feinstaub trotz Dieselfahrverboten.

Es mag zu einem Treppenwitz der Geschichte mutieren, dass ausgerechnet in Schweden – dem Heimatland von Greta Thunberg – die Grünen nun Wahlverluste eingefahren haben. Vielleicht rührt dieses Abschneiden aber auch aus der Erkenntnis, dass man es sich schlicht leisten können muss Grün zu wählen – nicht umsonst findet man den Hauptteil grüner Wähler im Kreise der Besserverdienenden.