Kompetenz und BamS – zwei Dinge, die nicht zusammenpassen wollen

Bild am Sonntag

Die Wochenendpostille mit den vier großen Buchstaben schwingt sich wieder mal auf, Meinung zu bilden. Am gestrigen Sonntag meinte sie nun, Abgeordnete des Deutschen Bundestages nach Gründen für entschuldigtes Fehlen an Sitzungstagen fragen zu müssen. Auch Frauke Petry war unter den Angefragten. Und weil wir höflich sind, bekam die „Zeitung“ auch eine Antwort – pünktlich und vollständig wie immer.

Was die Redaktion dann in einer Kombination aus Weglassung und Hinzufügung daraus zimmerte, passt perfekt ins Bild des Blattes und ist eine Anmaßung sondersgleichen. Zu bewerten, ob ein Prozess am Landgericht in Dresden vermeidbar ist oder nicht, übersteigt – wie so viele andere Themen auch – bei weitem die Kompetenz der Redaktion in Berlin.

Und an dieser Stelle endet auch unsere Höflichkeit: Ihren moralisch erhobenen Zeigefinger können sich die Damen und Herren also sonstwohin stecken.

Der Vollständigkeit halber haben wir folgend den Schriftwechsel mit der Redaktion angefügt.
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Sehr geehrte Frau Petry,

wir haben die entschuldigten Fehltage bei den bisherigen 105 Bundestagssitzungen untersucht.

Sie haben mit 16 Mal (ohne Mutterschutz) überproportional häufig entschuldigt gefehlt. Was waren dafür die Gründe?

Wir bitten um eine Antwort bis Donnerstag, 17 Uhr. Bitte teilen Sie uns auch mit, in welchem Kontext wir Sie am Freitag eventuell für Rückfragen erreichen können.

Mit freundlichen Grüßen

Konrad Göke
Volontär
BILD am SONNTAG
Politik
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Sehr geehrter Herr Göke,

vielen Dank für Ihre Anfrage an Frauke Petry, die ich Ihnen wie folgt beantworte:

„Gehen Sie davon aus, dass bei entschuldigtem Fehlen trifige Gründe für die Abwesenheit vorliegen. Bei einer Familie mit insgesamt neun Kindern, ihrer Schwangerschaft und dem gleichzeitigen Prozess vor dem Landgericht in Dresden, der sich mit einer Unzahl von Verhandlungstagen über mehrere Wochen hinzog, braucht es wahrlich nicht viel Fantasie, um sich diese Gründe ausmalen zu können. Darüber hinaus muss sich Frauke Petry über ihre Aktivität im Deutschen Bundestag keine Gedanken machen: Bis zum Eintritt des Mutterschutzes lag sie mit 52 Reden hinter ihrem Abgeordnetenkollegen Mario Mieruch (Blaue Partei) auf Platz drei aller Bundestagsabgeordneten. Platz 4 folgte übrigens mit deutlichem Abstand und 35 Reden.“

Ich denke, Ihre Anfrage ist damit hinreichend beantwortet.

Beste Grüße

Oliver Lang
Pressesprecher