Bargeld ist gedruckte Freiheit

20190704_Bargeld erhalten

Im Handelsblatt findet man seit vorgestern einen Kommentar von Frank Wiebe, oder besser gesagt ein Plädoyer gegen den 100 Euro-Schein. Die Argumente zur Abschaffung des „ungeliebten“ Scheins, klingen durchaus vernünftig: Keine Wechselgeldprobleme mehr und Schluss damit krummen Summen am Automaten einzugeben, um die Ausgabe eines Hunderters ja zu verhindern. Man könnte meinen, der Druck dieses Geldscheins ist eine reine Ressourcenverschwendung. Aber Moment! Drehen wir die Zeit einmal um 17 Jahre zurück.

Zur Euro-Einführung bekamen alle Länder neben den 5-, 10-, 20- und 50 Euroscheinen auch 100-, 200- und sogar 500-Euro Banknoten. Letztere wurde mit Beginn diesen Jahres abgeschafft, in dem die Notenbank sie nicht mehr ausgibt. Das Todesurteil für den 500 Euroschein war vorgeblich die Erschwerung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Das klingt gut und jeder Bürger, der das kritisierte, machte sich irgendwie schon verdächtig. Dabei war die Kaufkraft dieses Scheins scheinbar seit dem Jahr 1964 kein Problem, wie sonst hätte der 1.000 DM Schein so lange im Wirtschaftsverkehr verbleiben können?

Wenn nun heute über die Abschaffung des 100 Euroscheins gesprochen wird, würde das ohnehin die gleichzeitige Abschaffung des 200 Euroscheins bedeuten, denn alles andere wäre unlogisch. Ebenfalls unlogisch ist auch die Begründung damit illegale Geschäfte erschweren zu wollen. Sicherlich ist es umständlicher und auch verlustreicher kleine Banknoten der Geldwäsche zu unterziehen, jedoch ist es auch risikoärmer. Jeder kennt die Skepsis, die einen bei einem großen Geldschein beschleicht. Da wird zweimal hingesehen und geprüft, ob er wirklich das Papier wert ist, auf dem die Nennsumme steht, während die Scheine bis 50 Euro eher bedenkenlos ins Portemonnaie wandern. Schon heute befinden sich unter den 20 Euroscheinen die meisten Blüten. Dieser dürfte dann zum nächsten Opfer der Bargeldabschaffer werden und den 50 Euroschein gleich mit sich nehmen, denn sonst wäre es natürlich unlogisch.

Wie wertvoll Bargeld allerdings wirklich ist, konnte man zuletzt in Griechenland 2008/2009 sehen, als hunderttausende Griechen vor verschlossenen Bankschaltern und abgeschalteten Geldautomaten standen. Mit dieser Maßnahme wollte man den „Bankenrun“ verhindern, der das Finanzsystem dem Kollaps nahe gebracht hätte. Dass die eigene Bevölkerung somit teils über Wochen weder Lebensmittel noch andere Dinge des täglichen Bedarfs kaufen konnte – da auch die Kartenzahlung wegen des Ausfallrisikos nicht akzeptiert wurde – nahm man billigend in Kauf. Wohl dem, der damals Bargeld hatte …

https://app.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-der-100-euro-schein-ist-ein-problem-und-gehoert-abgeschafft/24515394.html?ticket=ST-3396794-UsvseAKurep7AKFoazLm-ap2