+++ „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“ +++

20191030_Denkmal

Unter diesem Titel hätte man die „Kunstaktion“ im Berliner Görlitzer Park für beide Seiten wohl sehr treffend beschreiben können. Der amerikanisch-französischen Künstler Scott Holmquist enthüllte am Drogen-Hotspot Berlins eine rund drei Meter hohe Statue. In der Hand hält der Mann ein Handy, zu seinen Füßen befindet sich eine Tafel, auf der die molekulare Zusammensetzung von Drogen abgebildet ist.

Die einen stellen Krieger-Denkmäler auf und die Berliner eben Dealer-Denkmäler. Zumindest der Wortklang ist ähnlich. Überraschend ähnlich klingt auch der Titel, unter dem die Statue vorgestellt wurde: „Letzter Held“. Welch Hohn, im Angesicht der Kapitulation des Rechtsstaates in Berlin.

Die Antwort, was den Dealer – der im sonst so politisch korrekten Berlin als offensichtlicher Schwarzafrikaner dargestellt wurde – zum „letzten Helden“ macht, bleibt uns der Urheber schuldig. „Es geht darum, wie die Reaktionen auf Park-Drogendealer Ängste, Versuchungen und Wünsche kristallisieren und gleichzeitig die Grenzen von Kontrolle und Solidarität verschieben“ erklärt Holmquist gegenüber Medien.

Über „Ängste, Versuchungen und Wünsche“ können die Anwohner am „Görli“ sicherlich Bücher schreiben. Ein Erholungsgebiet ist dieser schon lange nicht mehr. Das sogenannte Denkmal passt somit hervorragend zu einer Stadt, die für Dealer zur „Berufsausübung“ eigens markierte Flächen im Park bereitstellt. Hiermit hat der Künstler – wahrscheinlich eher ungewollt – den Finger direkt auf die Wunde gelegt.

https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/die-dealer-im-goerli-bekommen-jetzt-ein-denkmal