+++ „Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist eine sehr persönliche Entscheidung über das eigene Sterben“ +++

Am Donnerstag dieser Woche steht im Bundestag eine Debatte und letztlich Entscheidung vor den Abgeordneten, die in ihrer Emotionalität kaum von einem anderen Thema übertroffen wird. Organspende ist eine Frage von Leben und Sterben, von Tod oder Überleben. Jeder sollte sich daher in seinem Leben mindestens einmal damit auseinandergesetzt haben, so unangenehm das womöglich ist und so gern wir diese Dinge vielleicht aus dem Bewusstsein verdrängen wollen.

Aus diesem Zwiespalt heraus ergibt sich ein zentraler Konflikt, den zwei Antragsteller mit ihren Gesetzentwürfen nun im Parlament aufzulösen versuchen: Einerseits halten 82 Prozent der Bevölkerung Organspende für richtig. Andererseits stehen etwa 9.500 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Hart und kurz gesagt, viel theoretische Einsicht bei zu wenig dokumentierter Bereitschaft.

Die Herangehensweise der Antragstellenden unterscheidet sich ganz erheblich, wie die inhaltliche Zusammenfassung auf der Bundestagsseite zeigt:

„Eine Gruppe von Abgeordneten um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach strebt mit ihrem Entwurf eine sogenannte doppelte Widerspruchslösung an. Demnach gilt jeder Bürger als möglicher Organspender, der zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt hat.

Eine zweite Gruppe von Abgeordneten um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) strebt mit ihrem Entwurf eine Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende an. Auch hier soll den Bürgern über ein Online-Register die Möglichkeit gegeben werden, ihre Entscheidung einfach zu dokumentieren, zu ändern und zu widerrufen.“

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben sich in einer sehr guten Stellungnahme zu den beiden Vorschlägen umfänglich geäußert. Aus ihrer Sicht ist klar: „Die Organspende sollte von einer freiwilligen Entscheidung getragen werden. Es besteht keine moralische Pflicht, seine Organe posthum zu spenden. Eine rechtliche Pflicht kann es aus diesem Grund erst recht nicht geben.“

Ihr Resümee lautet daher klar, „den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende mit behutsamen Modifikationen am bestehenden System, die das Vertrauen in die Organspende erhöhen und die Menschen befähigen, eine informierte Entscheidung zu treffen, unterstützen wir.“

Ich teile diese Stellungnahme in Argumentation und Einschätzung. Wer sie in Gänze lesen möchte, der findet sie unter unten folgendem Link.

Der Vorschlag von Jens Spahn und Karl Lauterbach macht Menschen praktisch von vornherein zu potenziellen Ersatzteillagern, ob sie das wollen oder nicht. Entgehen können sie dem nur durch einen schriftlich hinterlegten Widerspruch. Dieser Zwang zur Entscheidung beinhaltet die Aufhebung der Freiwilligkeit, auch der Freiwilligkeit, sich überhaupt zu entscheiden.

Die an sich gute Absicht, mehr Spender zu gewinnen, wird damit am Ende konterkariert. Denn, wer jetzt noch im Zweifel mit sich ist und ringt, dürfte unter Druck zunächst Widerspruch einlegen, vielleicht auch nur, um Zeit für seine persönliche Entscheidung zu gewinnen.

Es gibt aus christlicher Sicht der Kirchen „sehr überzeugende Gründe, die eigenen Organe anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, etwa aus Dankbarkeit für das eigene Leben, das ja auch erst durch Solidarität und Beziehung ermöglicht wird.“ Aber: „Als Akt von hohem moralischem Wert kann eine Spende nicht erzwungen werden.“

https://www.kath-buero.de/files/Kath_theme/Stellungnahmen/2019/Gemeinsame%20Stellungnahme%20Organspende_2019_09_19.pdf