+++ Die „Geldgeschenke“ von heute sind die Steuern von morgen +++

Die Bundesregierung hat ein milliardenschweres Konjunkturpaket geschnürt und landauf, landab frohlockt die Presse, während man sich in Berlin selbstzufrieden auf die Schultern klopft. Dabei ist es eine ökonomische Grundregel, dass der Steuerzahler in Zeiten einer Rezession finanziell entlastet wird um so die Konjunktur anzukurbeln. Das Problem ist nur, dass die Konjunktur eigentlich gar nicht angekurbelt werden muss und das ist der wesentliche Unterschied zum Krisenjahr 2009. Die Rezession ist die direkte Folge des Shutdowns. Einen Nachfrageeinbruch, der Steuergeschenke nötigt machen würde, gab es nicht, es gab einen Angebotsabbruch, da Geschäfte geschlossen waren. Erst aus diesem Umstand heraus entwickelte sich eine Spirale aus Kurzarbeit und steigenden Arbeitslosigkeit.
 
Knapp 7,5 Millionen Bundesbürger müssen aktuell auf 33 bis 40 Prozent Lohn verzichten. Hinzu kommen unzählige Selbstständige. Tendenz steigend. Die Lebensmittelpreise sind vor allem bei Obst und Gemüse bis zu 27 Prozent gestiegen, die Mietausfälle können heute noch gar nicht beziffert werden, da hierfür aussagekräftige Statistiken fehlen und die Bundesregierung verteilt mit der Gießkanne Steuergelder, die noch gar nicht erwirtschaftet wurden. Die Gesamtverschuldung Deutschlands, also der Betrag, der seit der Nachkriegszeit angehäuft wurde, lag im Jahr 2019 bei knapp 2 Billionen Euro. Alle Steuereinnahmen und Staatsausgaben betrugen im gleichen Jahr rund 800 Milliarden Euro. Die Summe aller bisherigen Maßnahmen und Steuerausfälle für 2020 werden ebenfalls auf 800 Milliarden Euro geschätzt. Ganz theoretisch bleibt somit schon heute kein Geld mehr für Bildung, Sozialleistungen und Infrastruktur für das Jahr 2020 übrig.
 
Die „Geldgeschenke“ von heute sind die Steuern von morgen, dementsprechend sorgfältig und weitsichtig sollte ihre Verteilung erfolgen. In der aktuellen Situation ist den wenigsten Bürgern geholfen, wenn sie durch die Steuersenkung bei einem Lebensmitteleinkauf 97 Euro statt 100 Euro bezahlen, statt noch wie im Februar 90 Euro, oder wenn sie einmalig pro Kind 300 Euro erhalten, die sie als Steuerzahler im kommenden Jahr vollständig versteuern müssen. Auch von der „Abwrackprämie 2.0“ profitiert nur, wer ohnehin ein Elektrofahrzeug trotz Krise kaufen wollte. Dieser Käuferkreis dürfte gering sein und dementsprechend wohl eher zu den finanziell abgesicherten Kreisen gehören, denn der Durchschnittsbürger spart derzeit laut Statistik jeden fünften Euro für eine noch ungewisse Zukunft. Mit dem selben finanziellen Aufwand hätte man ganz unbürokratisch die deutsche Steuerlast, welche weltweit Platz eins belegt, senken und den Bürgern somit die freie Entscheidung über ihr erarbeitetes Geld überlassen können. Das wäre die Soziale Marktwirtschaft, wie sie einst unter Ludwig Erhard erdacht wurde.