+++ Der Weihnachtsmann verspätet sich +++

Ich glaube, in diesem Jahr wird der Weihnachtsmann ein paar Tage später bei uns erscheinen. Nicht, weil der die zahlreichen Reisebeschränkungen überwinden muss – zum Glück nutzt er mit seinem Schlitten ja nicht die Abfertigungsbereiche europäischer Flughäfen. Nein, er wird im Wald sitzen und seine Pakete neu packen, dabei am Wert des Inhalts orientiert fein säuberlich aufschreiben, was er dem Finanzamt an Paketsteuer zu überweisen hat. Seine Wichtel sind darob wohl schon davongelaufen. Wir werden uns also gedulden müssen.
Betrachtet man allerdings die Herrschaften, die hinter derlei bahnbrechenden Ideen wie eben einer Paketsteuer stehen, dann möchte einem der Geduldsfaden umgehen reißen. Gabor Steingart, mit dessen MorningBriefing ich gut informiert häufiger mal in den Tag starte, bringt es auf den Punkt: „Das bösartige Virus greift nicht nur die Atemwege der Menschen an, sondern auch den Denkapparat vieler Politiker.“ Und er hat Recht. Wer glaubt, dass mit diesem monsterbürokratischen Geldkarusell irgendjemand geholfen wird, dem ist nicht mehr zu helfen.
Es sind dieselben Leute, die uns erst verbieten, selbst unter strengsten Zugangs- und Verhaltensregeln Einkäufe zu erledigen und uns dann zur Kasse bitten, wenn wir notgedrungen auf den Online-Handel ausweichen. Den Handel übrigens, auf den als zweites Standbein inzwischen auch viele kleine Einzelhändler setzen, um zu überleben. Niemand sollte sich täuschen, diese Abgabe bleibt nicht bei Amazon oder Ebay hängen. Diese Steuer ist – wie praktisch jede andere auch – ein direkter Zugriff des Staates auf Ihre Hosentasche.
Wir müssen vielleicht auf den Weihnachtsmann warten. Aber dieses politische Unvermögen müssen wir uns nicht mehr gefallen lassen. Dabei auf die Union als konservativ-bürgerliche Kraft zu setzen, die die positiven Kräfte der Marktwirtschaft für unser Land zu schätzen wüsste, das können wir seit dem vergangenen Wochenende endgültig vergessen. Denn die Idee zu diesem teuren Griff in die Taschen der Verbraucher kam aus ihren Bundestagsreihen. Daran wird auch ein Friedrich Merz nichts mehr ändern.