+++ Vom Misthaufen und einem bayrischen Hahn +++

Als mir heute die Meldung im Focus, das bayrische Gesundheitsministerium habe hunderte Coronaimpfdosen in „zentral beschafften“ Campingkühlboxen durchs Land fahren lassen und damit unbrauchbar gemacht, unter die Augen kam, fiel mir spontan die Geschichte vom Hahn und dem Misthaufen ein. Sie wissen schon – ein Hahn kräht immer vom größten Misthaufen. Und der schillerndste Hahn in diesem bundesweiten Wettstreit sitzt, auch mit Blick auf die zurückliegende Test-Pannenserie, demnach mal wieder in Bayern.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Noch gestern schrieb ich an dieser Stelle, wir büßen mit der Verlängerung des Lockdowns die Fehler der Verantwortlichen und zitierte Markus Söder, der zur Begründung vorschub, „es sei nicht genügend Impfstoff da“. Heute lese ich, der „Vorzeige“-Freistaat ließ das kostbare Serum in „Dometic Coolfreeze CF 11“-Boxen mit integrierten Bierdosenhaltern durchs Land karren.
Inzwischen soll Hahn Söder seine Gesundheitsministerin (übrigens auch CSU) nicht etwa gefeuert, sondern in die Staatskanzlei geholt haben. „Huml werde in der Staatskanzlei speziell für Europa und Internationales zuständig sein und zudem den Corona-Krisenstab verstärken“, schreibt der Spiegel. Ich denke, wir werden unter diesen personellen Voraussetzungen nicht lange auf neue „fantastische Geschichten“ aus dem Süden warten müssen.
Eine ganz andere Art fantastische Botschaft wäre allerdings, wenn Hahn Söder das Land von einer bisher unausgesprochenen, dennoch medial latent diskutierten Bedrohung befreien und endlich seine Kanzlerambitionen in den hoffentlich nun freiwerdenden Campingkühlboxen versenken, gewissermaßen dauerhaft auf Eis legen würde. In diesem Fall kommt es ja nicht auf konstantes Temperaturmanagement an, sondern lediglich auf sicheren Verschluss.
https://www.focus.de/politik/deutschland/impfstoff-logistik-in-bayern-kuehlbox-mit-bierdosenhalter-bayern-zerstoert-fahrlaessig-wertvollen-impfstoff_id_12840039.html