+++ Topfschlagen für Schlafwandler +++

War da was am Wochenende? Nicht wirklich. Die CDU hat darauf verzichtet, sich ein konservatives Etikett auf den halbsozialistischen Merkel-Laden zu pappen. Das kann man wohlwollend als ehrlich verbuchen. Ehrlich erledigt hat sich auch Friedrich Merz. Manche behaupten, die Kanzlerin habe ihn zum zweiten Mal erlegt. Ich denke, dafür hat er vor allem selbst gesorgt. Sein peinliches Angebot, als Wirtschaftsminister in die aktuelle Regierung einzusteigen, dürfte ihn selbst als (völlig überladene) Projektionsfläche der vergeblich auf eine konservative Wende hoffenden Unions-Fans ruiniert haben. Zum Glück, möchte man sagen. Damit hat diese fast verzweifelt anmutende Traumtänzerei immerhin ein Ende. Und vielleicht, vielleicht führt dieser zweifellos als Schock wahrgenommene Untergang bei jenen zum Erwachen und der Erkenntnis, dass die Union nicht mehr ihr politischer Hafen ist. Manchmal gedeiht aus Asche doch etwas Neues. Nur noch mit Belustigung habe ich allerdings gelesen, dass Merz nun die ideale Ergänzung neben Lindner in einer FDP-Doppelspitze wäre. Da versuchen wohl einige, die eben zerrissene Leinwand wieder zu flicken. Menschen brauchen Hoffnungen, schon klar. Aber mit immer neuen alten Hoffnungen lässt sich dieses Land nicht retten.
 
Dass bald nichts mehr zu retten sein wird, darauf deuten die inzwischen üblichen „Vorberichterstattungen“ aus der erst oder schon (weil vorgezogenen) am Dienstag stattfindenden Bund-Länder-Runde mit Merkel und ihren nachgeordneten Ländervorstehern hin. Alles wird noch mal verschärft. Ordinäre Stoffmasken sind out. FFP2 ist der neue Pflichtstandard. Quarantäneverweigerer (die es nennenswert gar nicht gibt) werden (in Sachsen) demnächst in leerstehende Erstaufnahmeeinrichtungen weggesperrt. Nächtliche Ausgangsbeschränkungen für ganz Deutschland. In Thüringen will man die Wirtschaft gleich ganz stilllegen. Und alles zusammen am besten mindestens bis Ostern. So muss es aussehen, wenn Schlafwandler Topfschlagen spielen. Nur dass beim Kindergeburtstag (neuerdings gibt es auch illegale) immer jemand zu Hand war, der die gleichermaßen kräftig und lustvoll wie blind mit dem Holzlöffel nach dem Blechbehälter schlagende Kinderhand von Fernseher und dem Schrank mit dem Porzellan sanft hinweglenkte. Dieser Jemand fehlt. Und so wird am Dienstag wohl wieder mit dem großen (jetzt noch größeren) Lockdown-Löffel auf Deutschlands Porzellan, nämlich Mittelstand, Einzelhandel, Friseurgewerbe, Restaurants und viele Unternehmer mehr, die ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familien noch selbst erwirtschaften müssen, gnadenlos eingeschlagen. Mit Hilfsversprechen, die ohnehin nicht eingehalten werden, rechnet eh niemand mehr.
 
Wie bei diesem ganzes planlosen Vorgehen wissenschaftlicher Sachverstand ausgeblendet wird, kann man bei Boris Reitschuster anschauen (https://reitschuster.de/post/glauben-statt-studien-merkels-grundlage-fuer-den-lockdown/), der auf der Bundespressekonferenz die Regierung genau danach fragte. Sensationell die Antwort. In diesem Zusammenhang fällt mir ein wirklich sehenswertes Gespräch mit Prof. Hendrik Streeck in der Sendung „phoenix persönlich“ ein, welches ich am Wochenende zufällig verfolgt habe (https://youtu.be/jg9GYRNTGKw). Hören Sie ruhige einmal rein. Es lohnt sich. Streeck bemängelt darin die fast völlige Unkenntnis über die Ansteckungswege des Virus. Wir haben, so sagt er, auf diesem Gebiet ein „enormes Unwissen“. Das sei ein Versäumnis. Nicht nur vor diesem Hintergrund fragt man sich, was nächtliche Ausgangssperren für alle eigentlich bringen sollen, außer dass unser Außen-Heiko hernach die genommenen Freiheiten den Geimpften wieder zuteilen kann. Letzteres kann übrigens dauern, denn in Sachsen gibt es erstmal keine Impftermine mehr. Grund. Der Impfstoff ist aus. Das ist Topfschlagen auf teuerstem Niveau.