+++ Wenn Du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis +++

Wenn Du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis. Daran musste ich gestern denken, als zwischen all den Meldungen über die neuerliche Coronarunde im Kanzleramt und die praktisch minütlich durchgestochenen „Zwischenwasserstände“ auf der nach oben offenen Reglementierungslatte wenige unscheinbare Zeilen in der WELT auftauchten, die auch sonst kaum eine Rolle in der Berichterstattung spielten: „Bis zu diesem Termin“ (also dem 15. Februar) solle eine Arbeitsgruppe ‚ein Konzept für eine sichere und gerechte Öffnungsstrategie erarbeiten, welche auch die notwendigen Voraussetzungen schafft, ein erneutes Ansteigen der Zahlen zu vermeiden‘.
Dieser knappe Hinweis dokumentiert zweierlei. Erstens: Spahns Ahnungslosigkeit, die er vor wenigen Tagen in die Worte fasste, „er wisse nicht, wie es im Februar weitergeht“, war bitterer Ernst. Zweitens: Auch sonst niemand in der Bundesregierung scheint sich bis dato mit einer Perspektive, einer Langfriststrategie befasst zu haben. Ich finde das erschütternd und für verantwortliche Politiker geradezu vernichtend. Nicht nur, weil genau nach einer solchen Strategie bereits mehrfach in den wenigen Bundestagsdebatten rund um die Coronakrise aus Oppositionskreisen, auch von mir verlangt worden war. Nein, vor allem deshalb, weil außerhalb des Berliner Elfenbeinturms Unternehmer landauf und landab händeringend darauf warten. Erst gestern sprach ein Gastronom in einem Interview davon, dass es in der Branche für die Planung zum Beispiel von Hochzeiten und anderen größeren Events eines zeitlichen Vorlaufs brauche. Wenn man diesen zeitlichen Horizont hätte, könnte man wenigstens bereits jetzt einen erfolgreichen Neustart vorbereiten, auf den alle angewiesen seien.
Es scheint nun so, als ob all diese Menschen weitere vier Wochen im Trüben, vor allem in einer wirtschaftlich trüben Zukunft fischen müssen, bis sich der Arbeitskreis gefunden hat, gar Lösungen präsentiert. Dabei scheint noch nicht mal dieser Zeitrahmen sicher. Denn allen bisherigen „Lockdowns“ folgte, trotz aller gegenteiliger Beteuerungen von „letzter großer Kraftanstrengung“, ausnahmlos die nächste Drehung an der Verschärfungsschraube. Nicht umsonst folgte dem obigen Hinweis der Satz: „Geöffnet werde aber nur, wenn die Gesundheitsämter eine Kontaktnachverfolgung gewährleisten können.“ Dass diese von Anfang an überlasteten Ämter mit ihren Faxgeräten dazu jemals wieder in der Lage sein werden, das anzunehmen, dazu gehört wirklich ein fester Glaube. Und Glaube allein hat noch niemanden wirtschaftlich gerettet.