+++ Sag mir, ob Du geimpft bist und ich sage Dir, ob Du vor die Haustür darfst +++

Sag mir, ob Du geimpft bist und ich sage Dir, ob Du vor die Haustür darfst. Dieses zugegeben etwas abgewandelte Sprichwort ging mir heute morgen durch den Kopf als ich in den Nachrichten die immer schneller an Fahrt gewinnende Diskussion um „Privilegien“ für Corona-Geimpfte verfolgte. Zusätzlich beschleunigt wird die Debatte durch Vertreter etlicher europäischer Staaten, die mit eine Art Impfpass den brachliegenden Tourismus wieder ankurbeln wollen – allen voran Griechenland. Die Staats- und Regierungschefs sind nun gestern tatsächlich übereingekommen, einen solchen „Ausweis“, in eurobürokratischen Worten „EU-Impfzertifat“, zu kreieren – angeblich ohne Sonderrechte für die Inhaber.
Dass das so bleibt kann man getrost als Legende verbuchen. Denn an der Heimatfront der Berliner Regierungskoalition erheben sich etliche Stimmen, die genau das fordern. Zuerst wagte sich Heiko Maas aus der Deckung, nun folgt Bundesjustizministerin Lambrecht, ebenfalls den spezialdemokratischen Reihen zuzuordnen. „Sie sähe keinen Grund, nicht ansteckende Geimpfte weiter an der Ausübung ihrer Grundrechte zu hindern.“ Was im Umkehrschluss ganz nebenbei ausdrückt, dass ebenfalls nicht ansteckende, nämlich gesunde Menschen seit Wochen ganz ungeniert an eben genau dieser Wahrnehmung der ihnen zustehenden Freiheiten massiv gehindert werden.
Dabei hat Frau Lambrecht eigentlich (von ihr selbst vermutlich unbemerkt) den Finger drauf: „Nicht die Ausübung von Grundrechten bedarf der Rechtfertigung, sondern die Einschränkung der Grundrechte durch den Staat.“ Genau da hapert es jedoch gewaltig, wie ein Urteil des Weimaer Amtsgerichts, welches gestern bekannt wurde, haarklein darlegt. Es lohnt sich, nachzulesen: https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/selbstbewusster-richter-rechnet-mit-dem-lockdown-und-der-corona-politik-ab/
Doch zurück zur „Freiheit durch Impfung“. Zwar gab und gibt es immer noch Stimmen, die sich gegen solche Regelungen aussprechen. Überraschend darunter auch Karl Lauterbach. Dessen Begründung allerdings besteht eigentlich nur aus einer einzigen riesigen Hintertür: Solche Privilegien, sagt er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, wären „weder kontrollierbar noch gut zu rechtfertigen“. Denn was eignete sich besser zur Kontrolle, als ein europäisches Impfzertifkat, ein mit sich zu führender Impfausweis? Und um absurde Rechtfertigungen für jeden Unsinn war die Regierungsmannschaft in Berlin noch nie verlegen.
Jens Spahn gehört übrigens auch (noch) zum Kreis derjenigen, die Vorteile für Geimpfte ablehnen. Aber – mal ehrlich – was sind dessen Verlautbarungen erfahrungsgemäß wert? Arbeitende Menschen kennen den Spruch vom „Schwarzen unter den Fingernägeln“. Seine geplatzten Zusagen sind inzwischen Legende: Masken bringen nichts, Einzelhandel nie wieder schließen, alle geimpft bis zum Sommer. Vergessen Sie es und richten sich auf den neuen „Impfreisepass“ schon mal ein – zumindest für den Fall, dass Sie vor die Haustür oder ein Stück weiter wollen.