+++ Bundesweite Ausgangssperre: Abwarten, erwarten oder überhaupt warten, ist keine Option mehr +++

Am zurückliegenden Wochenende gefiel mir eine Meldung besonders: „Nach sechs Monaten Lockdown erwarten wir, dass wir im Mai öffnen können“, ließ sich der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) flehend vernehmen. Ich mag angesichts der extrem ernsten Lage zigtausender Gastronomen und Hoteliers samt ihrer Mitarbeiter nicht allzu sehr in Ironie verfallen. Aber erwarten enthält eben auch warten. Und das Warten hält für diese Branche bereits über sechs Monate an – für nicht wenige mit inzwischen nahtlosem (und leider für die weitgehend schlafende Öffentlichkeit geräuschlosem) Übergang in die Existenzlosigkeit.

Ich weiß wirklich nicht, worauf dieser Verband (gilt übrigens auch für andere) und seine Vertreter eigentlich noch warten wollen. Die Aussichten der gerade beginnende Woche deuten auf alles hin, auf keinen Fall aber auf irgendeine Art von Öffnung. Schon gar nicht im Mai. Stattdessen macht sich die Kanzlerin nach einer praktisch schon vom (offenbar dem Kanzleramt angehängten) Parlament durchgewunkenen erneuten Änderung des Infektionsschutzgesetzes daran, in dann alleiniger Zuständigkeit die Deutschen ab neun Uhr abends in ihren Häusern einzuschließen. Ausgangssperre bundesweit heißt das kurz und knapp. Eine Sieben-Tages-Inzidenz von 100 soll für diese bundeseinheitliche Maßnahme über die Länder hinweg der Maßstab sein.

In der zweiten Woche nach Ostern haben wir dank schleppender Rückmeldungen aus den Gesundheitsämtern zwar immer noch keine belastbaren Zahlen. Das ficht aber niemanden an. (Die teils vorsintflutliche Ausstattung dieser Behörden ohnehin nicht.) Auch dass wir über den Punkt bereits einmal hinweg waren, die Inzidenz als alleinigen Auslöser für tiefgreifende Einschränkungen des täglichen Lebens und vor allem von Grundrechten heranzuziehen – im Kanzleramt und Bundesgesundheitsministerium offenbar alles Geschwätz von gestern, wie so vieles zuvor.

Wenn also der Gaststätten- und Hotelverband vermeiden will, dass seine Er“wartungen“ an die Regierung nicht ebenfalls als bloßes Geschwätz in den Augen seiner existenziell gepeinigten Mitglieder wahrgenommen wird, dann sollte er sich etwas einfallen lassen. Abwarten, erwarten oder überhaupt warten, ist jedenfalls keine Option mehr. Das sollte auch dem großen Teil der schlafenden Öffentlichkeit langsam klar werden. Spätestens, wenn sich in den kommenden Tagen nach 21.00 Uhr die Haustüren schließen.